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2021

2021-04-13 09:06

In den vergangenen Jahren hat sich das Thema Sicherheit auf Biogasanlagen positiv weiterentwickelt. Auch wenn von den Sachverständigen rückläufige Mängelquoten aufgezeigt werden, ist die Situation verglichen mit anderen Anlagen noch nicht zufriedenstellend.
Regelwerke, wie Anlagensicherheit, Arbeitssicherheit und anlagenbezogener Gewässerschutz stellen komplexe Anforderungen für Biogasanlagen dar und werden inzwischen laufend diskutiert.
Die TRAS 120 (Technische Regel Anlagensicherheit „Sicherheitstechnische Anforderungen an Biogasanlagen“) wurde im Januar 2019 veröffentlicht und regelt Anforderungen an immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige sowie der Störfall-Verordnung unterliegende Biogasanlagen und konkretisiert für diese Anlagen den Stand der Technik bzw. Stand der Sicherheitstechnik. Nach mehr als zwei Jahren Anwendung ist die TRAS 120 nach wie vor eine Erkenntnisquelle zur Definition des Standes der Technik beziehungsweise der Sicherheitstechnik bei Biogasanlagen. Es obliegt den zuständigen Vollzugsbehörden in den Ländern, die Umsetzung durchzuführen. Sachverständige stehen vor Problemen, wenn keine 1:1-Umsetzung der TRAS 120 erfolgt und da die Zahl der Sachverständigen für Biogasanlagen ohnehin knapp ist, denken sie verstärkt drüber nach, keine Biogasanlagen mehr zu prüfen, um ihre Zulassung wegen TRAS 120 nicht zu verlieren.
Der Fachverband Biogas ist in Gesprächen mit der Politik, den Wirrwarr um TRAS 120 zu klären. Dabei geht es u.a. auch darum, ob Biogasanlagen bereits mit einer Mengenschwelle von 10.000 kg in die Störfallverordnung  fallen müssen.
Die TRGS 529 (Technische Regel für Gefahrstoffe) vom Februar 2015 gilt für alle Tätigkeiten zur Herstellung von Biogas und den Betrieb von Biogasanlagen und gibt den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, einschließlich deren Einstufung und Kennzeichnung, wieder. Sie soll in diesem Jahr umfassend überarbeitet werden, was auch für die TA Luft (Technische Anleitung zur Einhaltung der Luft) gilt.
Auch im Bereich des anlagenbezogenen Wasserschutzes soll 2021 eine Änderung  der AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) vorgenommen werden. Die TRwS 793-1 (Technische Regel wassergefährdende Stoffe) zur Konkretisierung der AwSv-Anforderungen für Neuanlagen, die sich bislang nur im Gelbdruck befindet, soll im Weißdruck erscheinen.
Aufgrund der zahlreichen rechtlichen Neuerungen im Bereich der Sicherheit bedarf es Weiterbildungsmaßnahmen, was in Pandemie-Zeiten viele Betreiber vor Probleme stellt, da Präsenzveranstaltungen eingestellt wurden. Besonders für Personen, die für den Betrieb einer Anlage gemäß TRGS 529 verantwortlich sind, hat nun der Schulungsverbund Biogas in Abstimmung mit den Verantwortlichen der TRGS 529 und TRAS 120 den Bildungsstätten die Möglichkeit gegeben, in Zeiten der Corona-Pandemie Schulungen auch als Online-Veranstaltungen anzubieten.

 

2021-04-06 08:29

Mit dem europäischen „Green Deal“ formulierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 1. Dezember 2019 das Ziel, Wirtschaft und Gesellschaft bis 2050 klimaneutral zu machen. Bausteine sind der Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine Aufwertung des Emissionshandels und ein CO2-Grenzausgleich.

Während beim CO2-Ausstoß bisher 40 Prozent angepeilt waren, will die Bundesregierung bis 2030 den Treibhausgas-Ausstoß um mindestens 55 Prozent reduzieren.

Ein weiteres Mittel, den Klimaschutz voranzubringen ist der Emissionshandel. Während 2017 die Tonne CO2 noch für knapp 6 Euro im Mittel gehandelt worden war, lag der Preis Mitte Januar 2021 kurzfristig bei 35 Euro und es ist davon auszugehen, dass die Zertifikatspreise weiter steigen werden.

Weiterhin will die EU-Kommission eine deutliche Erhöhung der Offshore-Energien erreichen, u.a. der Offshore-Wind-Kapazitäten.

Durch das Programm InvestEU sollen Maßnahmen, die dem Klimaschutz dienen, finanziert werden. Die Europäischen Investitionsbank (EIB) kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Bestandteil des Klimaprojektes ist ein neu überarbeitetes Trans-Europäisches Netzwerk für Energie, die TEN-E-Verordnung (Trans-European-Networks for Energy), welche Projekte in der EU von gemeinsamem Interesse („PCI“ – Projects of Common Interest) prioritär behandelt und finanziell unterstützt. Während Erdgasinfrastrukturen und Ölpipelines als PCI nicht mehr in Betracht kommen, werden mit neuen und aktualisierten Infrastrukturkategorien intelligente Stromnetze und der verstärkte Einsatz erneuerbarer und CO2-armer Gase, einschließlich Wasserstoff, unterstützt. Ein wichtiges Ziel ist auch die Dekarbonisierung des Gassektors.

Der Umbau der Energiewirtschaft in Europa erfordert einen massiven Ausbau an regenerativen Erzeugungskapazitäten. Und: Zur Verwirklichung der Ziele des "Green Deal" sind Milliarden- Investitionen notwendig.  

 

2021-03-23 10:41

Vom 18.01. - 22.-01.2021 fand der Fachkongress für Erneuerbare Mobilität "Kraftstoffe der Zukunft 2021" in digitaler Form statt. Experten aus Automobilindustrie, Verbänden, Wissenschaft und Politik zeigten den Teilnehmern vielfältige Technologienoptionen für mehr Klimaschutz im Verkehrs- und Transportsektor.

Artur Auernhammer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Bioenergie e.V. (BBE), hob hervor, dass bei der Ausgestaltung der künftigen Klimapolitik kein Weg an nachhaltig erzeugten Biokraftstoffen vorbeiführen würde. Diese stünden bereits zur Verfügung, während E-Mobilität und Wasserstofftechnologie erst nach 2030 spürbare Effekte beim Klimaschutz zeigen würden.

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), setzt große Hoffnung in den Wasserstoff. Fördermittel von 1,5 Milliarden Euro stünden für die Wasserstoff-Mobilität zur Verfügung.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), meinte, dass es vielfältige Wege brauche, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Sie bemängelte, dass der Staat die Anschaffung von E-Fahrzeugen und den Aufbau der Ladestruktur fördere, dass es für Fahrzeuge mit erneuerbaren Kraftstoffen eine solche Förderung nicht gebe.

Karsten Schulze, Technikpräsident des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. (ADAC), wie auch seine Organisation sind von der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs überzeugt. Dazu brauche es neben dem Hochlauf der Elektromobilität alternative Kraftstoffe.

Prof. Dr. Thomas Willner, Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW Hamburg), betonte, dass die Zeit für den Klimaschutz im Verkehr dränge und dass daher technologieoffen alle verfügbaren Optionen genutzt werden müssten. Klimaschutz sei eine globale Aufgabe, für deren Umsetzung eine intensive internationale Zusammenarbeit von großer Bedeutung sei.

Am Ende der Veranstaltung konnten die Experten Innovationsfortschritte bezüglich alternativer Kraftstoffe feststellen; sie kamen zu dem Schluss, dass der Klimaschutz, die Energiewende im Verkehr und der damit verbundene Transformationsprozess eine große Herausforderung für Politik und Gesellschaft darstellen. Nachhaltige Biokraftstoffe und erneuerbare Kraftstoffe seien als Ergänzung zu einer nachhaltig ausgerichteten E-Mobilität für einen wirksamen Klimaschutz unverzichtbar.

 

Nach dem Ende der EEG-Förderung stellt sich für viele Biogasanlagenbetreiber die Frage nach der "Zeit danach". Die Entscheidungen der Anlagenbetreiber sind vielseitig:

Das erste Beispiel zeigt einen Milchviehhalter aus einer Grünlandregion in Oberbayern, dessen Vater 2001 die Biogasanlage baute, in der er Gülle und Grassilage verwertete. Er kaufte noch Körnermais zu, um das Blockheizkraftwerk (BHKW) mit ca. 100 Kilowatt elektrischer Leistung ((kWel) auszulasten, was allerdings erheblich an der Wirtschaftlichkeit zehrte. Mit der Düngeverordnung 2017 verschärften sich die Probleme. Und als das Landratsamt im Jahre 2019 eine Behälterprüfung anordnete, hat er die Reißleine gezogen, da Investitionen von schätzungsweise 100 000 Euro für den Weiterbetrieb angefallen wären. Inzwischen ist die Anlage nach ihrer Stilllegung bereits abgebaut und der Landwirt setzt auf Direktvermarktung im Hofladen.

Ein anderer Anlagenbetreiber aus dem Donau-Ries Kreis beschreibt seine Situation folgendermaßen: Die 150-kWel-Anlage seines Betriebs für 1.000 Mastschweine wurde 2001 mit geringer Leistung gebaut. 2008 folgten die Vergrößerung und der Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Das Inbetriebnahmedatum blieb aber bei 2001, so dass die Anlage 2021 aus der Förderung fällt. Auch wenn er ausreichend Lagerraum hat, um der AwSV zu entsprechen, ist sein Gärdüngerlager offen. Neben einer Abdeckung, um auf die 150 Tage gasdichte Verweilzeit zu kommen, sind weitere Investitionen – u.a. für Gasspeicher, eine neues Aggregat für den Flexbetrieb, neue Rührwerke und Pumptechnik – von schätzungsweise 400.000 Euro notwendig. Er würde sehr gerne weitermachen, weil „sein ganzes Herzblut da drin steckt“, dazu müsste er an einer Ausschreibung teilnehmen. Doch die 18,4 ct/kWh bei zehn Jahren Laufzeit sind für die Investition nicht ausreichend. In einem Radiointerview und indem er sich direkt an mehrere Politiker gewandt hat, hat der Biogas-Landwirt seine Anliegen immer wieder öffentlich vorgebracht. Auch wenn er gesundheitlich angeschlagen ist, will er zu 90% nicht aufhören.

Im dritten Beispiel geht es um einen Ökobetrieb mit 90 Milchkühen in Bräunlingen am Rand des Schwarzwaldes. 2002 ging die Biogasanlage mit 45 kWel in Betrieb, 2002 kam ein neues 45er BHKW dazu. Nach 10 guten Jahren wurde es wegen steigender Auflagen, die eine Rentabilität einer Kleinanlage zunichtemachen würden, immer schwieriger. Als 2010 ein großer Teil seiner Fläche in eine Wasserschutzgebiets-Zone II kam, war der Betreiber auf den Zukauf von konventionellem Substrat angewiesen, was im Ökolandbau problematisch ist. Da er im Ein-Mannbetrieb arbeitet und keine Lust mehr auf eine 24-Stunden-Bereitschaft hat, steht sein Entschluss, aufzuhören, fest und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Ein Biogasanlagenbetreiber aus Breckerfeld im Sauerland betreibt auf seinem Eiererzeugungs-Betrieb mit 120.000 Legehennen eine Biogasanlage mit 500 kWel. In der 2001 gebauten Anlage, die im Praxisbetrieb ständig weiterentwickelt wurde, machen die anfallenden 7 Tonnen Hühnertrockenkot pro Tag 35 Prozent der Einsatzstoffe aus. Der Rest kommt von Energiepflanzen aus dem Landwirtschaftsbetrieb. Aufgrund anstehender Investitionen, die mit 18,4 ct/kWh nicht finanzierbar wären und der Tatsache, dass die wiederkehrende Betriebssicherheitsprüfung fällig gewesen wäre, hat er den Entschluss gefasst, zum Ende des Jahres 2020 – 1 Jahr früher - seine Anlage still zu legen. Übergangsmäßige Vereinbarungen mit einem Abnehmer des Hühnertrockenkots sind bereits getroffen und Lösungsmöglichkeiten werden durchgerechnet.

Um das Biogasanlagen-Sterben aufzuhalten ist vor allem die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Perspektive für den Weiterbetrieb ermöglichen.

 

2021-02-09 10:12

Nach derzeitigem Stand der Technik wird Wasserdampf aus Erdgas durch Dampfreformierung (z.B. durch Zugabe von Wasserdampf) gewonnen.
Wasserstoff wird als ein Schlüsselrohstoff für eine nachhaltige Energiewende angesehen. Nach Ansicht von Experten könnte auch Biogas ein wichtiger Partner für Wasserstoff werden und für Post-EE-Anlagen eine Chance bieten.
Beim digitalen Biogas-Innovationskongress im November 2020 referierte Maximilian Schleupen von der RWTH Aachen University, Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik zum Thema: „Aus Biogas wird Wasserstoff.“ In seiner Studie hat er den Nutzen von Wasserstoff in der Elektromobilität untersucht.
In der Biogasanlage wird Biogas mit einem gewissen Methangehalt produziert. Wird die Biogasanlage dazu mit einem Dampfreformer ausgestattet, kann das Biogas zu Wasserstoff mit einem Wirkungsgrad energetisch von 65 – 72 % veredelt werden. Wird eine Tankstelle vorgehalten, kann der Wasserstoff verdichtet und direkt als grüner Rohstoff genutzt werden.
Bei der Biogasreformierung ist es so, dass man statt der Verstromung im BHKW den Wasserstoff aufbereitet mit einem Wirkungsgrad von 65 %, ihn anschließend komprimieren und in Brennstoffzellen nutzen kann und am Ende dasselbe Energiepotential hat, wie wenn ein Fahrzeug batterieelektrisch betrieben würde.
Bei einem Vergleich der Energiekosten zur Herstellung von Wasserstoff aus Windenergie per Elektrolyse oder aus Biogas per Reformierung kam er zu dem Fazit, dass Biogas der günstigste und wirtschaftlichste Rohstoff, den wir zur Herstellung von grünem Wasserstoff haben, wird. Wasserstoff könnte als Lösung für die Biogasanlagen in Deutschland werden.
Insgesamt stellt er fest, dass wir „grünen Wasserstoff“ („grüner Wasserstoff“  ist CO2-freier Wasserstroff, der auf Basis erneuerbarer Energie hergestellt wird) über Dampfreformierung aus Biogas produzieren können und dass es für Deutschland die sinnvollste Quelle für erneuerbaren grünen Wasserstoff ist.
Neben der Dampfreformierung sieht Tobias Weide von der Fachhochschule Münster, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Energie, Gebäude, Umwelt in Steinfurt, die „Dunkle Fermentation“ als Möglichkeit, nachhaltig Wasserstoff zu produzieren. Dunkle Fermentation heißt das Verfahren, weil die Wasserstoffproduktion ohne das Vorhandensein von Licht abläuft. Hierbei werden die Rohstoffe Biomasse, Reststoffe und Abwässer zu grünem Wasserstoff umgesetzt. Ein Verfahren, das sich allerdings noch in der Entwicklung befindet.

 

2021-01-19 10:40

Am 17.12.2020 hat der Bundestag das EEG 2021 beschlossen. Der Fachverband Biogas resümiert, dass vier wichtige Anliegen des Verbandes - Anpassung der Ausschreibungsvolumina, Verbesserung der Vergütungsbedingungen, Stärkung der Flexibilität und Ausweitung der Güllevergärung – von der Politik aufgegriffen, andere wichtige Themen allerdings vertagt wurden.

Die Ausschreibungsvolumina sollen so festgelegt werden, dass die Stromerzeugung aus Biomasse bis 2030 auf dem Niveau von 42 Terawattstunden (TWh) stabilisiert wird. Für Biomethan wird eine eigene Ausschreibung eingeführt. Bei den Vergütungsbedingungen gibt es eine Anhebung der Gebotshöchstwerte auf 18,4 ct/kWh für Bestandsanlagen und
16,4 ct/kWh für Neuanlagen. Kleinere Anlagen mit einer installierten Leistung von bis zu 500 kW können einen Bonus von 0,5 ct/kWh beanspruchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Flexibilitätszuschlag wurde auf 65 Euro/kW erhöht. Der Flexzuschlag wird auch für Güllekleinanlagen über 100 kW installierter Leistung bzw. maximal 75 kW Bemessungsleistung gewährt. Die Deckelung der Flexibilitätsprämie wird abgeschafft.

Auch wenn durch das EEG 2021 Verbesserungen erreicht wurden, enthält das „Kleingedruckte“ bei den Ausschreibungen neue Fußangeln. Zudem stellt die „Südquote“ ein Manko dar. Da generell mindestens 50 Prozent der bezugschlagten Leistungen in südliche Landkreise gehen, droht ein Abbau der Leistung im Norden.

Eine detaillierte Beschreibung der Neuregelungen im EEG 2021 finden Sie im Download unter folgendem Link:
https://www.hauptstadtbuero-bioenergie.de/aktuelles/positionspapiere/wichtigste-neuregelungen-zur-biomasse-im-erneuerbare-energien-gesetz-eeg-2021